EmsJadeUltraMarathon

zugunsten des Vereins für Leukämie- und Krebsforschung in Aurich!

Direktlink: Ems-Jade-Lauf

 

Hier gibt es den Erlebnisbericht von Fritz Rietkötter zum Ems-Jade Ultra Marathon vom 16.10.2005:

Der Wildeshauser Lauftreff hat diesen UltraMarathon mit zwei Einzelläufern und einer Staffel bestritten. Dieses LaufEvent bedeutet für alle Läufer eine echte Heraus- forderung und eine interessante Abwechslung vom “Laufalltag”!

Einzelläufer:

Martin Götz
Fritz Rietkötter

Staffel:

1. Etappe 11,5km Wolfgang Andrzejewski von Emden nach Riepe
2. Etappe 15,2km Egon Stolle von Riepe nach Aurich
3. Etappe 7,3km Annette Kreienborg von Aurich nach Wiesens
4. Etappe 6,4km Marten Evers von Wiesens nach Brockzetel
5. Etappe 6,1km Angelika Kleinow von Brockzetel nach Upschört
6. Etappe 27,0km Maren Goedeke von Upschört nach Wilhelmshaven

Alles fing am Sonntag um 5.30 Uhr an. Der Wecker klingelte, was eigentlich gar nicht nötig war, und anschließend ging es mit Tempo durchs Badezimmer (ohne PKW) und dann zügig Richtung Emden (mit PKW). Nur gut, das am Vortag bereits alle wichtigen Dinge organisiert war, so konnte ich mich ungestört auf meinen ersten UltraMarathon vorbereiten und ohne Stress dem Startschuss entgegen fiebern.

In Emden angekommen, war genügend Zeit, zunächst einmal die kleine Gemeinde der Ultraläufer genauer zu studieren. Den mit über achtzig Jahren ältesten Teilnehmer, immerhin schon über 1300 Marathonläufe (!) absolviert, habe ich leider nicht gesehen. Dennoch dachte ich so bei mir, dass dies eine beeindruckende Chronik ist, die dieser Mensch vorzuweisen hat. Das man einen solchen Ultralauf auch mit gewöhnlicher Straßenbekleidung (bis auf die Schuhe) angehen kann, bewies ein anderer Läufer -oder wollte es wenigstens. Charaktere, die einer solchen Veranstaltung erst den passenden Rahmen geben. Nach kurzer Ansprache durch die Organisatoren (die ihren Job übrigens vorbildlich erledigt haben!!!) und dem Schirmherr (den muss es wohl auch immer geben), ging es dann pünktlich um 8.00 Uhr auf die Strecke.

Eine Strecke, die im Vorfeld schon zu so mancher Spekulation einlud. Schließlich wussten bereits früh morgens die Ersten, dass es Ostwind geben würde. Was dies bedeutet, war mir bis dahin nur ansatzweise bewusst, schließlich laufen wir ja Richtung Osten. Dennoch sollte diese kurze morgendliche Feststellung noch ziemlich unangenehme Folgen haben. Die Strecke führte uns zunächst aus Emden heraus und dann ging es auf dem direkten Weg zum Ems-Jade-Kanal. Der Kanal, der die nächsten Kilometer und Stunden der einzige konstante Wegbegleiter war. Manchmal kam mir zweifelsohne aber auch der Gedanke, ob es in dieser Region auch etwas anderes gibt, als Kanal. Kanal, soweit das Auge reichte. Immer geradeaus und eben auch immer am Kanal endlang. Die ersten Kilometer wurden von einem herrlichen Sonnenaufgang begleitet. Über der Weite der norddeutschen Tiefebene mit seinen Rindern lies sie einen Hauch von Romantik aufkommen, wenn da nicht der Lauf wäre. Bis Aurich verlief dann auch alles reibungslos. Der Puls war im grünen Bereich, manchmal etwas zu hoch aber immer im geplanten Spektrum. Die Kilometer vergingen und die Euphorie, schneller laufen zu wollen, als dies der Endzeit dienlich wäre, war auch im Griff. Am Wechselpunkt Aurich gab es dann wieder Kontakt mit unserer “Fangruppe” vom Wildeshauser Lauftreff. Die ja in doppelter Funktion anreisten: erstmal Staffel laufen und dann noch moralische Unterstützung bieten. Vorher wurden bereits zwei Wechselpunkte mit “Fanunterstützung” durchlaufen. Eine Unterstützung, für die ich nicht genug danke sagen kann!

Irgendwann kam ein Streckenabschnitt, der durch bewaldete Kanalregionen führte und so ganz anders war, als man dies erwarten durfte. Keine endlose Weite, keine Kuh. Statt dessen ein bewaldeter Kanalgürtel, durch dessen Baumkronen das Sonnenlicht fiel. Herbstlich gefärbte Blätter, Ruhe und Ausgeglichenheit. Selbst ein Ausflugsboot schipperte auf dem Kanal entlang. Was die Reisenden dort gedacht haben mögen, wollte ich aber wirklich nicht wissen. Von Versorgungsstation zu Versorgungsstation ging es immer weiter Richtung Wilhelmshaven. Die Gedanken verloren sich teilweise im Nichts, die einzige Konstante war der Kanal, die Sonne und dann kam was kommen musste, der Wind. Dazu die tolle Stimmung an den Wechselmarken, die sich mit der Ruhe am Kanal abwechselte. Mir fehlte eigentlich nur eines: der Mann aus der Bierwerbung von Jever Pils! Zwar gab es keine Dünen, dafür aber Wind und Deich (vom Kanal). Der Werbespruch hätte hier gut her gepasst, das Bier zu diesem Zeitpunkt übrigens auch...

Die Realität kam dann auch schnell zurück, als ein Strich auf der Straße die Marathondistanz markierte. Endlich dachte ich, jetzt ist es soweit. Viele Trainingskilometer und gedankliche Vorbereitung liegen hinter mir und mit einem einzigen Schritt ging es jetzt auf die Ultrastrecke. Eine unbekannte Strecke, die Herausforderung und innere Gelassenheit gleichermaßen bedeutete. Die nächste Wegmarkierung war dann eher lustig als bedeutend, der höchste Punkt (!) dieses Laufes war geschafft. Hurra dachte ich noch, endlich die Bergspitze erreicht, jetzt geht es nur noch bergab. Was dies im Norden auch immer bedeutet, bergab an einem endlos langen und geraden Kanal, bergab mit Wind, der immer heftiger wurde. So wertvoll bei jedem Lauf auch die Streckenverpflegung ist, bei diesem Lauf war jeder Posten ein echtes high-light in der Ruhe Norddeutschlands. Jedesmal machte sich wieder, sowohl für Läufer als auch für die begleitenden “Fanmassen”, die TOP - Organisation bemerkbar.

Dann folgte km61, ein echter Wendepunkt. Bis dahin war der Wind dermassen zermürbend, dass ich mich fragen musste, was machst Du hier eigentlich? Konzentration aufs Laufen, ein Schritt nach dem anderen und dann das ständige Rauschen im Ohr. Norddeutschland von einer ganz anderen Seite... Plötzlich rief da jemand meinen Namen. Der erste Gedanke war doch abwegig, sollte der Wind bereits zu ersten Halluzinationen geführt haben? Stimmen aus dem Nichts? Nein, es waren Maria, Angelika und Thorsten. Und dies an einem Punkt, wo wohl viele Läufer für eine ähnliche Unterstützung dankbar gewesen wären. Einen echten Tiefpunkt galt es zu durchlaufen. Die letzten 11 Kilometer vergingen dann, wie die anderen 61 Kilometer vergingen. Es blieb unendlich viel Zeit, seinen Gedanken nachzuhängen, seinen Puls zu kontrollieren und nachzurechnen, ob die anvisierte Zielzeit noch erreichbar ist. Zielzeit, die immer mehr zum Motivator wurde. Mit jedem Blick auf die Uhr wurde deutlicher, dass die angestrebten acht Stunden realisierbar wurden.

Immer wieder die eigene innere Aufforderung, jetzt bloss nicht nachlassen, dran bleiben, den Wind einfach Wind sein lassen (was leichter gesagt ist, als getan) und konzentriert weiter laufen. Schließlich war es so weit, in der Ferne tauchten die ersten Bauwerke auf, die Wilhelmshaven und damit das Ziel ankündigten. Auf den letzten Metern dann wieder unsere Fangruppe vom Wildeshauser Lauftreff und eine Sambagruppe, die nochmals für richtige Zieleinlaufstimmung sorgten. Nach 7:52:53 Stunden war es dann geschafft. Die Herausforderung war bestanden und die anschließende Suppe schmeckte besser als so manches Stück Kuchen (schon komisch..?). Nur das Thema Wind war noch nicht ganz zu Ende diskutiert. Da meint der Masseur auf meine Anmerkung doch ganz lapidar: Wind, und? Wir sind schließlich an der Küste! Im nachhinein betrachtet hatte er wohl Recht.

Festzuhalten bleibt, dass der Ems-Jade-UltraMarathon ein unvergessliches Lauferlebnis war, das in allen belangen TOP organisiert wurde und durch das Mitwirken unseres Lauftreffs (als Staffel und Fangruppe) richtig Spass machte. Zeit war genug da, um sich mit sich selbst, der Landschaft und dem Lauf auseinander zu setzten. Somit kann man diese Veranstaltung nur jedem empfehlen, der einmal mehr laufen will als Marathon, der einmal 72km bewältigen will. Sicher ist auch Eines: der letzte Ems-Jade-Lauf war dies für mich bestimmt nicht.

Wildeshauser Lauftreff: Angelika, Wolfgang, Martin, Thorsten, Fritz, Egon Maria, Karin, Annette, Marten und die Kinder von Marin (v.l.n.r.)

oben: Wechsel Annette zu Egon. Seitlich: Marten geht ins Staffel-rennen. Unten: Maren kurz vor dem Ziel.

oben: vor dem Start Martin + Fritz. Unten: Fritz im Ziel

Fangruppe, im Vordergrund Angelika und Thorsten

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